Bolivien, eines der kleineren und unbekannteren Ländern Südamerikas kann mit einigen Superlativen aufwarten. Hier gibt es den größten Salzsee, die höchste Stadt, die gefährlichste Strasse, die höchstgelegene Skipiste und den höchsten See. Aber Bolivien ist mehr als nur die “Strasse des Todes” und der Salar de Uyuni. Obwohl, oder gerade weil nur 3000km der Strassen asphaltiert sind ist Bolivien ein Traumland für Motorrad- und Enduroreisende. Auch wenn Ausländer den 3 fachen Benzinpreis zahlen müssen ist ca 1€ für europäische Verhältnisse noch relativ günstig. Abseits der Hauptverkehrsstraßen hält sich der Verkehr in Grenzen. Manchmal begegnen wir hier Tagelang nur wenigen Fahrzeugen. Einige Straßen sind von der Regenzeit noch unpassierbar aber die abwechslungsreiche, oft atemberaubende Landschaft bietet durch die verschiedene Klimazonen, vom subtropischen Dschungel,, des Amazonas über die Savanne des Gran Chaco über dieYungas bis hinauf zu den Hochgebirgsebenen des Altiplano auf recht kleinem Raum fast alles was Südamerika zu bieten hat. Da Unterkünfte und Garküchen hier extrem günstig sind übernachten wir nur selten in unserem Zelt sondern verbringen ungewöhnlich viel Zeit in Städten. 
Bei unserer Einreise fallen uns als erstes die bunt gekleideten Indiofrauen mit
ihren auffälligen Hüten auf, die direkt hinter dem Kontrollposten im Staub sitzen und Getränke und Süssigkeiten anbieten. In keinem anderen Land Südamerikas leben noch so viele Indios und nirgendwo ist Pachamama noch so gegenwärtig. Häufig können wir beobachten wie beim Trinken der erste kleine Schluck der “Mutter Erde” geopfert und auf den Boden gegossen wird. Zuerst müssen wir jedoch Sprit finden. Die erste Tankstelle hinter der Grenze
ist trocken und die 3 Tage auf die nächste Lieferung wollen wir nicht warten.
In einer Stunde Entfernung soll ein Kiosk noch ein paar Kanister vorrätig haben. Auf der Flucht vor dem drohenden Unwetter, das hinter uns aufzieht, können wir auf unsere leeren Tanks keine Rücksicht nehmen und fahren, so schnell unsere DRs auf knapp 4500m hier auf dem Altiplano noch können. Kurz vor Sonnenuntergang bekommen wir tatsächlich jeder noch 5l Sprit und finden einen blickgeschützen Platz für die Nacht neben der Strasse, über die auch bei Dunkelheit die LKWs Richtung Chile donnern.
Da Bolivien in den Salpeterkriegen Ende des 19.Jh seine Küste an Chile abtreten musste, ist es jetzt, abgesehen von Parguay, das einzige Land Südamerikas ohne Meerzugang. Wir wissen nicht viel über dieses relativ kleine Land und sind überrascht wie grün es hier im Hochgebirge ist. Überall liegen mit Stroh gedeckte Lehmhütten in der Landschaft verstreut, die von kleinen Kartoffel, Mais und Hirsefeldern umgeben sind. Der größte Teil des Altiplanos gehört jedoch den Lamas und Vicunas. Die Temperaturen sinken nachts schnell unter Minus 10 Grad und nach einem Linseneintopf, der auf dieser Höhe gut die doppelte Kochzeit benötigt, kuscheln wir uns in unsere warmen Schlafsäcke.
Unser erstes Ziel ist der Salar de Uyuni. Da die Regenzeit in Bolivien in diesem Jahr besonders üppig ausfiel und viele Pisten noch unpassierbar sind nehmen wir die Route aus dem Norden. Kurz nach Oruro beginnt eine teils sandige, holprige Wellblechpiste die von Schlaglöchern durchsetzt ist. Suse, die erst vor einem halben Jahr ihre ersten Offroaderfahrungen gemacht hat, kommt bei den Sandpassagen und Wasserdurchfahrten trotz der kühlen Temperaturen ordentlich ins Schwitzen und so legen wir kurz vor dem Salzsee noch eine Camping-Übernachtung in einem kleinen Seitental ein.
Als wir am nächsten Vormittag dann den Salar erreichen brauchen wir nur den zahlreichen Touri- Jeeps zu folgen um eine trockene Auffahrtsrampe zu finden. Das Ufer steht noch unter Wasser und auch auf dem Salar gibt es einige Quell-Löcher aus denen die Salzlake nach oben blubbert, die man nicht übersehen sollte. Nach 20 km auf der schneeweissen spiegelglatten, in der Ferne von Bergen umschlossenen Ebene machen wir kehrt. Die Kakteen Inseln sind noch von Wasser umgeben und für uns nicht erreichbar, unsere Vorräte sind aufgebraucht und der Hunger treibt uns zurück in die Zivilisation.
Auf der schon fast komplett neu asphaltierten Straße nach Potosi, die sich abwechslungsreich durchs Gebirge schlängelt dann unsere erste Begegnung mit korrupten Militärs. An einer Strassensperre werden wir erst nach unseren Pass und Fahrzeugdaten gefragt und dann um eine kleine Gebühr gebeten, die wir schlicht verweigern. Erst als wir uns häuslich niederlassen wollen dürfen wir weiterfahren. Gut, daß wir Zeit haben. Obwohl die Regenzeit vorbei ist erwischen wir einen nachmittäglichen Regenguss, der sich auf dieser Höhe aber eher wie ein Schneeschauer anfühlt. Da die Membran unserer Motorrad Klamotten leider nicht mehr ganz dicht ist, freuen wir uns als wir Potosi, die höchstgelegene Groß-Stadt der Welt erreichen. Potosi war durch seinen Cerro Rico im 17 Jh. eine der reichsten und größten Städte der Welt und die Hauptquelle des spanischen Reichtums. Noch heute wird hier unter abenteuerlichen Bedingungen Silber und Zinn abgebaut, wie wir bei einer spannenden Tour durch das Bergwerk selbst erleben.
Als Auftakt geht es jedoch auf den Miners Markt um den Kumpels 96% Alkohol, Koka Blätter, Saft und Arbeitshandschuhe als Geschenke mitzubringen. Hier ist übrigens der einzige Ort weltweit an dem legal Dynamit samt Zündern gekauft werden kann!
Wieder auf den Motorrädern geht es über eine gut ausgebaute kurvige Gebirgsstrecke nach Sucre, der Hauptstadt Boliviens. Die Landschaft ändert sich und statt nur Bergen sehen wir hier überwiegend Täler. Das mag Paradox klingen, aber das bislang vorherrschende Altiplano ist weitgehend eben und nur an den Rändern erheben sich die Sechstausender. In der von der Unescoausgezeichneten Altstadt von Sucre hat sich die Kolonialarchitektur bis heute gut erhalten und auch das Klima ist dank der niedrigeren Lage recht angenehm und so erholen wir uns hier bevor wir die nächste Schotter Etappe in Angriff nehmen. Über die Ruta del Che wollen wir quer durchs dünn besiedelte Gebirge nach Samaipata und dann über Cochabamba nach La Paz wo uns die berüchtigte „Strasse des Todes“ erwartet die durch die Yungas hinab ins den Amazonas führt.





















































